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Geschichte der Bäckerei Will


Als der Bäckermeister Johann Georg Will in sein, von einem Berufskollegen namens Simon Geitz, gekauftes Haus einzog, hieß die Falterstraße noch Faltergasse. Sie war noch nicht diese ladengeschäftsumstandene, täglich von vielen Kauflustigen besuchte Durchgangsstraße, die sie heute ist. Das kurze Straßenstück lag am Stadtrand und jenseits des Faltertors, das damals noch stand. Jphann Georg Will konnte in der Flur spazierengehen, die seit dem Sprung über den Stadtgraben vom weitflächig angelegten Wohnvierteln überbaut worden ist. Der Hauserwerb fand 1851 statt. Die Nachkommen des Bäckermeisters Johann Georg Will betreiben in dem Anwesen heute noch ihr Handwerk. Die Bäckerei Will kann daher in diesem Jahr auf ein 150jähriges Bestehen zurückblicken. 

Bäckermeister Hans und Konditormeister Georg Will, die jetzigen Betriebsinhaber, halten in ihrem Schreibtisch ein dünnes Buch verschlossen, das in Ablichtungen alle Urkunden enthält, die notwendig waren, damit ihr Urgroßvater in Kitzingen als Selbständiger seinem Beruf nachgehen konnte. Sachleitende Verfügungen verraten den Weg durch das bürokratische Labyrinth, an dessen Ende die Verleihung des Bürgerrechts und der Gewerbekonzession standen, ohne die Johann Georg Will seine Bäckerei nicht hätte betreiben können. Vor der Bürgerannahme mußte der Armenpflegeschaftsrat angehört werden, hatten die Gemeindebevollmächtigten und der Stadtmagistrat ihr Jawort zu geben, oblag es dem Antragsteller, durch eine Fülle durch Papieren, wie Militärentlaßschein, Leumundszeugnis, Zeugnisse der Werk- und Sonntagsschule, Grundstückskaufvertrag, Meisterbrief, Vermögenszeugnis, Befürwortung der Bürgerannahme durch den Voreigentümer, Zahlungsbeweis für die Begleichung des Kaufpreises, Religionszeugnis und Schutzpockenimpfschein nachzuweisen, dass Kitzingen als neues Mitglied der städtischen Gemeinschaft kein schwarzes Schaf oder einen armen Schlucker bekam.

Paul Eber wurde hier geboren

Nachdem Johann Georg Will und seine Braut Elisabeth Barbara Horn Heiratsgut und Erspartes in einen Topf geworfen und das Haus bezahlt hatten, konnten sie vor den Traualtar treten. Dank der papierenen Perfektion kann heute noch belegt werden, dass es 2900 Gulden kostete. Die junge Meisterfamilie zog übrigens in ein mit Erinnerungen befrachtetes Anwesen, denn in ihm hatte der Reformator Paul Eber das Licht der Welt erblickt. Stadtarchivar Dr. Ernst Kemmeter ist der Geschichte des Bauwerks nachgegangen und hat als Ergebnis seines Aktenstudiums feststellen können, dass Bäcker, Lebküchner und Konditoren darin mindestens seit 1628 ihrem Handwerk nachgegangen sind. Wahrscheinlich taten sie es schon zwei Jahrhunderte früher, was aber nicht belegbar ist. In der zweiten Generation übernahm Karl Will das Geschäft, der mit seiner Frau Dorothea, einer geborenen Dietz, deren Eltern die einzige Kitzinger Zinngießerei besaßen, vier Kinder zeugte. Er hatte, so schien es, keine Schwierigkeiten, die Bäckerei in Familienbesitz zu halten, zumal zwei seiner Buben das Bäckerhandwerk erlernten. Doch die lückenlos scheinende Generationskette zerbrach fast durch harte Schicksalsschläge. Zwei Söhne Karl Wills fielen als Soldaten im Ersten Weltkrieg, der dritte kam erst 1920 aus französischer Kriegsgefangenschaft heim und verunglückte vier Wochen später tödlich.

Übrig blieb Hans Will, auf dem nun allein die Zukunft des Geschäftes ruhte. Durch Krankheiten der Eltern bedingt, musste er jung ins Geschirr steigen. Mit 18 Jahren übernahm er die Bäckerei, nachdem er zuvor bei Ernst Kies, dem Begründer des bekannten gleichnamigen Cafés in Würzburs, das Bäckerhandwerk erlernt und die Gesellenprüfung abgelegt hatte. Der Beginn des Ersten Weltkriegs unterbrach die Berufsausbildung und Betriebsführung. Als Offiziersstellvertreter, zu dem er wegen Tapferkeit vor dem Feind befördert worden war, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz 1.Klasse, kam er nach Kriegsende heim, legte seine Meisterprüfung ab und heiratete Babette Klein.

Hans Wills fachliches Können ließ das Geschäft aufblühen. Er kaufte das Nachbarhaus in der Rosenstraße, ließ 1937 das Anwesen an der Faltersraße abreisen und wiederaufbauen, wobei die beiden Gebäude miteinander verbunden wurden. Beim Bombenangriff ist der Neubau zerstört, aber noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut worden.

Hans Will war populär

Hans Will war bis zu seinem Tode ein populärer und angesehener Bürger seiner Vaterstadt. Er engagierte sich berufsständisch, war Obermeister der Bäckerinnung Kitzingen bis 1935 und dann ihr Ehrenobermeister. Im Vereinsleben fühlte er sich besonders mit der Turngemeine Kitzingen verbunden, deren langjähriger Zeugwart er war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stieg er in die Kommunalpolitik ein und zog für die Freie Bürgerrechtliche Wahlgemeinschaft in den Stadtrat, in dem er acht Jahre lang als zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Wohnungssenates wirkte. In den Zeiten großer Wohnungsnot verhalf er manchen Wohnungssuchenden durch persönliche Fürsprache bei den Hauseigentümern zu einer nicht zwangsbewirtschafteten Wohnung.

Die zeitaufwendigste Tätigkeit als Wohnungssenatsvorsitzender mit regelmäßigen Bürostunden wäre Hans Will ohne die verständnisvolle Einsicht seiner zweiten Frau Elisa Will, die er als junger Witwer geheiratet hatte, nicht möglich gewesen. Sie bewies in den Zeiten der Lebensmittelbewirtschaftung eine milde Hand, wo sie manchen Backwerk ohne Brotmarken zur Linderung des größten Hungers überlies.

Die Bäckerei in der vierten und fünften Generation:

Paul Will

Auch für Paul Will, der Ende des Jahres 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, anschließend in Nürnberg die Meisterprüfung ablegte und 1950 in den elterlichen Betrieb eintrat, hatte die kommunalpolitische Betätigung seines Vaters Folgen. Er mußte von ihm vorzeitig 1952 die Bäckerei übernehmen, die er seither betrieb. Zusammen mit seiner Frau Maria modernisierte er den Betrieb, erweiterte ihn um einen Konditorei und vergrößerte ihn personell. Zehn Mitarbeiter, die teilweise schon mehr als zehn Jahre in der Bäckerei tätig waren haben durch ihre Mitarbeit entscheidend zum Aufschwung beigetragen. Der wirtschaftliche Erfolg hängt mit den beruflichen Fähigkeiten Paul Wills zusammen, die ihn auch als Obermeister der Bäckerinnung Kitzingen, der er seit zwölf Jahren war, zugute kam. Auch führte Paul Will die mittlerweile sehr beliebten Orginal Kitzinger Lebkuchen in das ohnehin schon sehr reichhaltige Sortiment ein. Im Jahre 1986 übergab Paul Will die Bäckerei –Konditorei an seine Söhne Hans und Georg , zusammen mit ihren Frauen Christel und Irmgard sowie mittlerweile 50 Mitarbeiter/innen bauten sie den Betrieb weiter aus und eröffneten Filialen in Kitzingen, Dettelbach und Iphofen. Zum 31.12.2006 schied Mitinhaber Georg Will auf eigenen Wunsch aus der Firma aus. Bäckermeister und Betriebswirt Marcus Will löste seinen Onkel aus und führt nun mit seinem Vater Hans Will die Bäckerei Will weiter. Seine ersten Aktivitäten waren die Neugestaltung der Kaffeebar in der Falterstraße und die Eröffnung der neuen Verkaufsstelle in Hüttenheim die sehr gut angenommen wird.